Wer hat die Hosen an, Herr Fassino?

Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose? Weit gefehlt! Bei einem Spezialisten wie PT Pantaloni Torino arbeiten nicht nur Designer, sondern Produktmanager und Textilingenieure an der perfekten Passform. Edoardo Fassino, der die Marke in zweiter Generation leitet, weiß, dass seine Marke eine perfekte Balance zwischen Verlässlichkeit und Überraschung bieten muss. Im Gespräch sinniert der Betriebswirt über seine unterschätzte Heimatstadt, die Macht der Details und die neue Lust der Männer an Mode.


Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: PT Pantaloni Torino



Herr Fassino, Sie kommen aus Turin, der Stadt der Autos. Muss man als Hosenhersteller auch ein Ingenieursgen haben?

Auf eine Art bestimmt, denn Hosen zu designen heißt, Details zu studieren. Es ist eine ganz schöne Herausforderung, all die verschiedenen Körper- und Beinarten mit den wenigen Standardgrößen zu vereinen, die zur Verfügung stehen. Schließlich soll die Hose einem schlanken Mann mit Konfektionsgröße 50 genauso stehen wie einem muskulösen Fußballer mit 50. Unser Ziel geht allerdings über die Passform hinaus, wir wollen der Hose auch Emotion geben, unsere Kunden sollen sie nicht nur aus Komfortgründen kaufen, sondern weil sie die Hose begeistert.



Nehmen Ihre Kunden den ganzen Aufwand wahr, der hinter der Herstellung einer Hose steht?

Kunden müssen das ja auch nicht verstehen, ich finde ein Produkt ist dann gut, wenn es sich selbst erklärt. Aber wir nehmen – und das insbesondere von Männern – wahr, dass sich die Leute unglaublich für allerlei Details interessieren. Wie die Hosen innen verarbeitet sind oder oft sogar unsichtbare Details. Das ist ein sehr technisches Interesse, fast wie bei Autos.


Weil Männer anders einkaufen?

Ja, klar, ein Mann lässt sich nicht nur mit dem Modeargument verführen wie eine Frau. Wir produzieren seit kurzem ja auch Frauenhosen – das ist ein völlig anderer Markt, eine völlig andere Herangehensweise. Die Hose gefällt und wird gekauft, Männern muss man da ein paar mehr Argumente mit auf den Weg geben. Allerdings finde ich, dass sich das gerade sehr stark verändert, Männer entwickeln eine positive Einstellung zur Mode, der Einkauf ist zunehmend etwas Sinnliches, das Spaß macht. Trotzdem braucht es eine Geschichte und Kompetenz.


Kompetenz, die Sie als Spezialist ja haben. Seit der Gründung 1968 dreht sich bei Cover50, wie Ihre Firma heißt, alles nur um die Hose.

Ja und das soll auch so bleiben. Wir glauben sehr stark daran, dass man bei seinen Leisten bleiben soll.


Aber birgt die Konzentration nicht auch die Gefahr, dass das Blickfeld zu eng ist?

Da haben wir das Glück, dass unser stärkster Markt Japan ist. Die japanische Begeisterung für Marken, die in ihrem Feld einzigartig sind, ist inspirierend – und dieser Markt ist unglaublich experimentierfreudig. Wir investieren sehr viel in Forschung und Entwicklung und trauen uns auch mal was in Sachen Material oder Silhouetten. Dazu haben wir eine eigene Linie ins Leben gerufen, sozusagen unser Labor für Entwicklungen, die einige Saisons später dann auch in der normalen Kollektion zu sehen sind. Das hält uns frisch.


Was hat Japan Sie noch gelehrt?

Dass wir in Sachen Qualität und Service exzellent sein müssen. Dieser hohe Standard hilft uns im internationalen Export. Kannst du japanische Kunden zufrieden stellen, kannst du Kunden anderswo ein ebenso verlässlicher Partner sein. Das wichtigste aber ist, dass wir gelernt haben, immer nach vorne zu schauen – ohne dabei unsere Wurzeln zu verlieren. Wir müssen sicher gehen, dass unsere DNA unterwegs nicht verloren geht, aber die Marschrichtung muss die Zukunft sein.


War es für Sie immer klar, dass sie in das Unternehmen, das Ihr Vater Pierangelo gegründet hat, eintreten würden?

Ja, ich habe zwar Wirtschaft studiert, aber am Tag nachdem ich fertig war, war ich schon hier. Und eigentlich war ich nie weg, als Kind eines Unternehmers wächst man ja mit und in der Firma auf. Für mich war es das natürlichste auf der Welt, in unser Unternehmen zu gehen.

Haben Ihr Eintritt und Ihre Ideen die Firma verändert? Wer hat die Hosen an, Vater oder Sohn?

In vielen Dingen ist mein Vater oft viel risiko- und experimentierfreudiger als ich, was wir mit dem Unternehmen getan haben, hätte ich nicht ohne ihn gekonnt, da war ich einfach zu jung. Er hat mich und meine Ideen immer unterstützt. Wir haben früh erkannt, dass wir Cover50 von einem namenlosen Massehersteller zu einer Marke wandeln müssen, die auf Qualität und Exklusivität setzt. Wir haben also alles auf den Kopf gestellt und eine solche Reise kann man nur unternehmen, wenn man sich gegenseitig ergänzt und bestärkt – denn der Weg, das respektierte, global agierende Unternehmen, zu werden, das wir heute sind, war anspruchsvoll.


Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat Turin?

Nun, wir erledigen immer noch einen wichtigen Teil der Arbeit hier, Ob Design, Produktentwicklung, Qualitätskontrolle oder Auslieferung, Turin ist die Schaltzentrale. Für mich ist Turin die unterschätzteste Stadt der Welt, eine Stadt, die den touristischen Städten Italiens in Sachen Schönheit um nichts nachsteht – aber sie ist einfach nicht auf dem Radar. Und genau das macht sie so besonders. Turin ist eine elegante Stadt.


In der eine Jogginghose ein No-Go ist…

(lacht) Stimmt, wenngleich wir natürlich auch modische Hosen mit Joggingbund oder im Track-Style haben. Diesem Trend muss man als Marke auch Tribut zollen.

Sie haben also auch eine im Schrank? Da hängen wahrscheinlich 200 Hosen…

Nein, beides nicht. Sie würden sich wundern, ich habe vielleicht 20 Hosen, Jeans schon inkludiert. Ich liebe es, immer die neuesten Entwicklungen zu tragen, aber ich bin keinesfalls ein Sammler.



Diese Interview erschien zuerst in Braun Edition Vol. 2 des UCM Verlag.

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