Martina Sossi von 19/91 Lateral Product im Interview

„Wir tragen Verantwortung“

Martina Sossi nennt sich selbst Interpreneur – das elterliche Unternehmen im Rücken, will sie trotzdem ihren eigenen Fußabdruck hinterlassen. 19/91 Lateral Product ist ihre Interpretation einer modernen Frau, die Grenzen hinter sich lässt. Genau wie die junge Italienerin selbst.

Sie repräsentieren eine neue Unternehmerinnengeneration in Italien: In den USA ausgebildet, global denkend und trotzdem fest verwurzelt. Ihre Kollektion ist zu hundert Prozent made in Italy.

Wir, die Millenials, tragen Verantwortung. Wir haben das große Glück, dass unsere Eltern viel aufgebaut haben, das Vorhandene müssen wir jetzt clever in die aktuelle Zeit übersetzen. Wer wie ich heute eine Marke startet, kann sie nur global denken – wir sind so vernetzt, wir wenden uns doch vom ersten Moment an an die ganze Welt. Da gilt es auch ein Produkt zu machen, das eben nicht nur die schlanke, weiße Frau inkludiert, sondern alle Hautfarben, alle Kulturen, alle Größen. Verantwortung tragen wir aber auch für unserer Heimat: Wenn wir nur profitorientiert denken und unsere Produktion in Billiglohnländer auslagern, was soll dann aus unserem Land werden?

Und trotzdem haben Sie Ihre Marke zuerst in den USA lanciert. Was inspiriert Sie an diesem Markt?

Ich bin mit 15 Jahren das erste Mal in die USA gegangen und habe gesehen, was man als Frau dort alles erreichen kann. Diese Faszination hat mich bis heute nicht losgelassen. Ich wollte in den USA starten, weil ich dort eine große Offenheit gegenüber Konzepten wie meinem spüre. Die Amerikaner mögen diese „brain things“.

Was macht 19/91 Lateral Product so passend für modern Frauen?

Mein Startpunkt war ein Material, das funktionell und dennoch unglaublich hochwertig ist. Es schlägt die Brücke zwischen Athleisure und Ready-to-wear. Es ist angenehm zu tragen, herrlich praktisch und man erkennt auf den ersten Blick die Hochwertigkeit. Weil ich immer von der Anatomie aus denke, immer in Silhouetten denke, passt es hervorragend zu meiner Vision.

Die da ist?

Ich will eine zeitlose, hochwertige Kollektion machen, die inklusiv ist. Aktuelle Trends interessieren mich nicht. Der Fokus soll wieder aufs Produkt gerichtet sein. Daher war meine erste Kollektion auch komplett in Schwarz gehalten – damit der konzeptionelle Ansatz umso besser zu sehen ist. Das interessante ist: Gerade italienische Frauen verstehen diesen ganz intuitiv. Sie spüren, dass zwischen meinen Produkten und Fast Fashion ein Unterschied ist, sie reflektieren auf die Idee und verstehen, dass 19/91 Lateral Product eine Marke mit Inhalt ist.

Sie gehören einer Generation Frauen an, denen fast alle Möglichkeiten offen stehen. Was wollen Sie besser machen?

Dass ich in Italien produziere, ist ein wichtiger Punkt. Wir müssen uns gegen diese Wegwerfmentalität in der Mode stemmen. Wir müssen Sorge tragen, dass unsere Produkte und Marken wieder einen Wert haben. Dazu braucht es viel Sensibilität und ich glaube, darin sind Frauen einfach gut. Wir müssen die Konsumentin wieder viel stärker in den Mittelpunkt rücken und das gelingt eben nicht, indem wir möglichst gut in Zahlen oder Algorithmen sind. Wir müssen Gefühle und Bedürfnisse in Bekleidung übersetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe #3/2018 von style in progress.

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