Kunst im Schnee

Ausstellungen in verschneiten Bergen, Sammlungen in angesagten Skiorten und ein Museum in einer alten Klosterbrauerei. Ganz klar, Kunst hat einen Imagewechsel hingelegt. Weg vom verstaubten Hobby verschrobener Sammler hin zum Kulturerlebnis mit Prestigecharakter.


Hotel Castell Zuoz: Ein Schloss ist ein Schloss ist (k)ein Schloss

Im Hotel Castell Zuoz ticken die adeligen Uhren anders. Besucher empfängt im Schlosspark des idyllischen Schweizer Hochtals Engadin ein Turm. Wer ihn betritt, erkennt sofort: James Turrell. Der Raum seines Skyspace wird atmosphärisch von einem großen runden Oberlicht beleuchtet – eine Essenz aus Licht und Ruhe. Im Schloss begrüßt ein nur scheinbar fliegender Taubenschwarm die Gäste, während in den Flaschen an der Bar ein Videofilm läuft und das lichte Jägerstübli auf filigrane windspielartige Installation aus bunten Drähten statt düstere Geweih-Romantik setzt.

Hotel Castell, Via Castell 300, CH-7524 Zuoz, www.hotelcastell.ch


Muzeum Susch: In Fels geschlagen

Der Weg in die alte Klosterbrauerei führt über schmale Stiegen in verwinkelte Räume. Ganze Höhlen wurden für das Muzeum Susch in Fels gesprengt. Das eröffnete Grażyna Kulczyk vergangenen Januar in Unterengadin. “Es war mir wichtig, mit Architekten zu arbeiten, die Wissen zur Gegend haben und ihre einzigartigen Merkmale verstehen, wenn sie in die Struktur eingreifen“, erklärt Kulczyk, eine der reichsten Frauen Polens, ihr Konzept. Das basiert auf Installationen, die einem matrilinearen Kurs folgen. Pro Jahr sind zwei Wechselausstellungen geplant.

Muzeum Susch, Surpunt 78, CH-7542 Susch, www.muzeumsusch


arlberg1800: Musen-Klang statt Aprés-Zwang

St. Christoph am Arlberg birgt ein Geheimnis. Tief drunter, unter Nobelhotels, Skiliften und einer vier Meter hohen Schneedecke liegen Kunst- und Konzerthalle nah beisammen. arlberg1800 nennt sich das Projekt von Florian Werner. Der kunstaffine Hotelier beherbergt seit 2008 junge Artists in Residence. Ihre Werke wurden im Hospiz am Arlberg ausgestellt, zumindest so lange, bis sich die Gäste von der Kunst beeinträchtigt fühlten. Die Entscheidung zur 8 Meter hohen Kunsthalle fällte Werner aus dem Bauch heraus. Die Konzerthalle folgte auf den Fuß und fasst circa 200 Besucher.

arlberg1800, St. Christoph 1, AT-6580 St. Anton am Arlberg, www.arlberg1800resort.at


St. Moritz: kunstaffines Skiparadies

In St. Moritz stehen 13 Galerien. Das sind 13 mehr als in jedem herkömmlichen Schweizer Skiort mit 5.000 Einwohnern. Eine davon gehört Vito Schnabel. Der Amerikaner bespielt sie unter anderem mit Werken seiner New Yorker Kunst-Niederlassung. In der aktuellen Skisaison steht bis 2. Februar 2020 Francesco Clemente auf dem Programm. Clemente zählt zur italienischen Gruppe der Trans-Avantgarde. Mit „Clouds“ präsentiert Vito Schnabel poetische Bilder in Öl, ausdrucksstarke Wolken in verschiedenen Farbschattierungen. „Aspects of the Moon“ sind sechs Fresken des Künstlers, die während eines Romaufenthalts entstanden.

Vito Schnabel Gallery, Via Maistra 37, CH-7500 St. Moritz, www.vitoschnabel.com



Dieser Beitrag erschien zuerst im Editor's Pick Januar 2020 der Masculin Gruppe | UCM Verlag.

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