Kreativer Durchstarter

Vom beschaulichen Salzburg in die schnelllebige Fashion-Metropole London: Der Salzburger Designer Philipp Brunner erobert die Modewelt.


Text: Veronika Zangl, Bild: Philipp Klimt, Philipp Brunner/privat


Netzwerken. Philipp Brunner könnte es eigentlich auch erfunden haben. Der 28jährige Salzburger ist Absolvent der Modefachschule Hallein und strickt fleißig – an seinem Netzwerk. Das führte ihn jetzt sogar nach London. „Seit Anfang März mache ich ein Praktikum bei Vivienne Westwood und ihrem Mann Andreas Kronthaler“, verrät der Exil-Österreicher. Für einige Monate darf der junge Modemacher bei den ganz Großen exklusive Ateliersluft schnuppern.


Stoffliebe

Schon früh zeigte Philipp ein Faible für das Kreative. „Ich habe schon immer gerne mit Stoffen gestaltet“, erklärt Brunner und schmunzelt. „Vom Schulfach Textiles Gestalten mit Stricken und Häkeln war ich regelrecht begeistert.“ Beim Tag der offenen Tür der Modeschule Hallein dann sein Schlüsselerlebnis: „Das Schnitt- und Modezeichnen hat mich einfach fasziniert.“


London calling

Ausbildung und Networking sind das eine, Hartnäckigkeit das andere – auch diese Lektion hat Philipp Brunner schon gelernt. „Der Bewerbungsprozess bei Vivienne Westwood hat sich über neun Monate hingezogen“, verrät der junge Kreative, der zuvor schon ein Praktikum bei Wolfgang Joops Label Wunderkind absolvierte und bei der österreichischen Designerin Marina Hoermanseder Backstage arbeitete. Außerdem ist er immer wieder bei Fashion Weeks anzutreffen – eine führte ihn sogar bis nach Vancouver. Dort wollte Brunner eigentlich nur Urlaub machen. Als er von dem Modeevent erfuhr, bewarb er sich spontan und war eine Woche als Dresser vor Ort. Auf der Fashion Week in Berlin durfte der Salzburger sogar seine Bachelor-Kollektion ‚Homeland‘ präsentieren.

Geht nicht, gibt’s nicht für Philipp Brunner. Für seinen Praktikumstraum bei Vivienne Westwood zog der Jungdesigner alle Strippen und aktivierte Kontakte. Sicherheitshalber half er dann aber auch noch ‚old school‘ nach, indem er seine Bewerbung per Post versandte und Mozartkugeln dazu packte. Mit Erfolg.


Bei Westwoods unterm Sofa

„Wir sind ein sehr familiäres Team“, verrät Philipp Brunner über seinen Arbeitsalltag bei der Grand Dame des Punk. „Wir arbeiten in einem alten Anbau. Das ist das Atelier, komplett mit Lichthof, Glasdach und Pflanzen begrünt, weil Vivienne Westwood den Umweltgedanken auch lebt.“ Die berühmte Designerin selbst hat er selbstverständlich bereits getroffen. „Vivienne Westwood ist inzwischen etwas zurückgetreten und lässt vermehrt ihrem Mann Andreas Kronthaler den Vortritt. Trotzdem kommt sie jeden Nachmittag um 15 Uhr zu uns ins Atelier.“

Die Arbeit als Praktikant bei einem so bekannten Label? Findet Philipp Brunner spannend. Er arbeitet eng mit den Schnitt-Direktricen zusammen, muss Schnitte pausen, die dann nach Italien versandt werden, oder das Stofflager aktualisieren. Den Raum dafür teilt sich Philipp Brunner mit zwei anderen Praktikanten. Hier ist es wieder, Philipp Brunners Talent für Networking: Einer davon ist ein Bekannter aus Linz.


Gustav Klimt und Goldhauben

Auf seine österreichischen Wurzeln ist der junge Designer bei aller Internationalität stolz. „Meine Masterkollektion ‚Gustav‘ ist von Gustav Klimts Bildern und seinen Modeentwürfen für seine Muse Emilie Flöge inspiriert und ausschließlich aus Denim und Goldfolie gefertigt.“ Apropos, Gold und Denim sind auch die beiden Werkstoffe, die das Herz von Philipp Brunners Bachelorkollektion ‚Homeland‘ bilden. Für die stand ebenfalls die Heimat Pate, mit der Tracht im Fokus. „Handwerkstechniken wie zum Beispiel das Smoken finde ich enorm interessant, besonders weil es davon ja viele unterschiedliche Varianten gibt. Ich habe dieses alte Wissen auf etwas Neues und auf Denim übersetzt.“ Wie man sich das vorstellen muss? „Goldhauben meets Jeans“, lacht der Jungdesigner.



Zukünftiges

Sein bisher größtes Highlight? Ganz klar, die Arbeit bei Vivienne Westwood. „Schließlich handelt es sich um ein weltberühmtes, internationales Modehaus“, schmunzelt Philipp Brunner und verrät, dass das Praktikum für ihn erst der Anfang war. „Es stehen im Moment sehr viele Türen offen und es gibt einige spannende Optionen“. Dazu zählt auch die Modeschule Hallein, die den jungen Designer gerne als Dozent gewinnen würde. Fragt sich bloß noch, was der junge Kreative besser vermitteln kann: Designkompetenz oder die Kunst des Netzwerkens.


Save the date: Philipp Brunners Master-Kollektion ‚Gustav‘ wird noch einmal am 27.07.2019 in der Fischhalle, Stiftgasse 1, 9872 Millstatt/ Kärnten präsentiert.



Dieser Artikel erschien zuerst in Top of Salzburg 2019 des UCM Verlag.

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