„Produkt und Qualität bleiben das Herzstück“

Wanny di Filippo lässt sein Bison vom Zaum: An die Londoner Palamon Capital Partners verkaufte er sein Lebenswerk, um es international voranzutreiben und auszubauen. Mit neuem, hochkarätigem Management soll das gelingen. style in progress sprach mit CEO Sofia Ciucchi.

Erzählen Sie uns von Ihren Plänen…

Il Bisonte hat ein reiches Erbe – Qualität, Tradition, made in Italy – das wollen wir stärken und gleichzeitig eine moderne Lifestylebrand daraus formen. Durch den Ausbau der Distribution und verstärktes Marketing wollen wir die Markenbekanntheit erhöhen. Sowohl eigener Retail als auch Großhandel stehen im Fokus.

Wird die Marke einem Trading-up unterzogen oder soll sie Accessible Luxury bleiben? Wen sehen Sie als Mitbewerber?

Wir wollen Accessible Luxury bleiben: Qualitätsprodukte zu einem nachvollziehbaren Preis bleibt ein Grundprinzip der Marke. Allerdings werden wir den Produkten einen modischen Touch verleihen – immer casual, zeitlos und unkonventionell. Ein bisschen Modernität und Raffinement sind die Add-ons, die unsere Marke begehrenswerter machen können. Wir haben eigentlich keine direkten Mitbewerber: Il Bisonte ist dank seiner Geschichte und seines Stils so einzigartig. Selbstverständlich haben wir die anderen Marken und Trends im Blick – sowohl in unserem Preissegment als auch im Luxusbereich. Aber wir versuchen, uns immer auf unsere Identität und Strategie zu fokussieren.

Welche Rolle nimmt der Gründer zukünftig ein und warum hat er sich entschieden, mit einem Investor zusammenzuarbeiten?

Wanny de Filippo nimmt die Zukunft seines in den 1970er-Jahren gestarteten Unternehmens sehr wichtig. Er möchte seine „Kreatur“ in den kommenden Dekaden voranschreiten und wachsen sehen. Er ist Vorsitzender des Vorstands und das perfekte Aushängeschild der Marke. Seine Kreativität und seine unkonventionelle Herangehensweise sind uns Inspiration in den wichtigsten Projekten der Marke, wie zum Beispiel dem neuen Flagshipstore, den wir demnächst in Mailand eröffnen.

Il Bisonte basiert auf handwerklicher Produktion – aber junge Leute, die ein Handwerk lernen möchten sind in Italien rar. Wie kann eine Marke wie Ihre helfen, den Nachwuchs für das Handwerk zu begeistern?

Il Bisonte hat eine kurze, wirklich einzigartige „filiera“ (Lieferkette). Alles wird innerhalb eines Radius von 30 Kilometern rund um den Firmensitz produziert. Wir waren in der Lage, dieses Netzwerk an erfahrenen, lokalen Handwerkern zu erhalten und auszubauen und von Zeit zu Zeit gibt es auch junge Leute, die dieses Handwerk erlernen wollen. In unserer hauseigenen „modelleria“ und Prototypenerstellung haben wir junge Techniker eingestellt, die eine Zeit lang von unseren Meistern trainiert werden. Außerdem haben wir begonnen, mit Designschulen zusammenzuarbeiten, in denen die Lehrer jetzt den Schülern beibringen, wie man Taschen macht – und eben nicht nur entwirft. Das macht einen großen Unterschied, wenn man den Entwurf und das technische Know-how zusammenbringt. Wanny nennt es immer „mit den Händen sprechen“. Das ist dieser nicht nachzuahmende italienische Touch und definitiv das, was Il Bisonte auszeichnet. Gerade haben wir eine Kooperation mit der Accademia del Costume e della Moda in Rom begonnen: Eine Gruppe von Studenten erhielt den Auftrag, einige unserer Produktikonen zu überarbeiten. Sie arbeiten sowohl am Design als auch an den Herstellungstechniken – und unser Ziel ist klar, einige dieser Studenten für unsere Firma zu gewinnen.

Sprechen wir über den D-A-CH-Markt: Wollen Sie hier im Großhandel oder mit eigenem Retail wachsen?

Diese Märkte stehen für uns deshalb im Fokus, weil sie die Werte unserer Marke perfekt verstehen. Die langlebige Qualität, die Handwerklichkeit und das Zeitlose unserer Produkte. Wir sehen großes Potenzial in diesen Märkten und daher zielen wir in den nächsten Jahren auf ein signifikantes Wachstum mit Multibrandhändlern in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab. Mittelfristig wollen wir dann auch einen Flagshipstore in Deutschland eröffnen.

Das neue Managementteam bringt Erfahrung aus dem Luxusgütersegment mit. Was unterschiedet Il Bisonte von diesen Marken?

Unsere Marke hat eine sehr spezielle Geschichte. Die Essenz ist ein Produkt, einzigartig, unverwechselbar und authentisch. Die meisten Luxus- und Accesoiremarken sind hauptsächlich auf Markenkommunikation und Marketing fokussiert. Bei Il Bisonte bleiben das Produkt und seine Qualität das Herz von allem, was wir tun, und ich glaube, die Konsumenten merken das. In einer von Massenprodukten dominierten Welt repräsentieren wir das Konzept des echten Luxus, in der Luxus allerdings nicht hohe Preise bedeutet, sondern Authentizität, Exklusivität und Personalisierung. Unsere Produkte sind gemacht, um zu bleiben, und sie altern würdevoll mit der Zeit. Es sind Partner fürs Leben, niemals protzig und niemals deplatziert. Ein universeller Casual-Chic, sehr italienisch, mehr noch: toskanisch.

Worauf setzen Sie Ihren Fokus in der Kommunikation? Was gilt es zu erreichen?

Wir konzentrieren uns auf die Verjüngung der Marke und auf den Ausbau der internationalen Markenbekanntheit. Die Marke hat zum Beispiel sensationellen Erfolg in Japan, ist aber in anderen Ländern kaum bekannt. In Europa starten wir mit einer Reihe von Markenbildungsaktivitäten, die unsere eigenen Läden und die Partner im Fachhandel unterstützen sollen. Dazu noch digitale Kommunikation, PR und Empfehlungsmarketing.

Il Bisonte

Il Bisonte wurde in den 1970er-Jahren von Wanny di Filippo im Herzen von Florenz gegründet, wo das Unternehmen bis heute seinen Stammsitz hat. Toskanische Produktion und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis sind die USPs der Marke, die heute zum Portfolio der Londoner Palamon Capital Partners Private Equity Gesellschaft gehört. Diese hat mit Sofia Ciucchi, zuvor bei Ferragamo, Chairman Marcello V. Bottoli (früher bei Pandora und Luis Vuitton) international erfahrenes Management an Bord geholt. Für neue Akzente im Design sorgt unter anderem eine Kapselkollektion mit der englischen Designerin Emma Hill (vorher bei Mulberry). In den deutschsprachigen Ländern verantwortet Patrick Coppolecchia-Reinartz den Vertrieb.

www.ilbisonte.com

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von style in progress zuerst erschienen.

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