Das Salzburger Dirndl

Gibt es das typisch Salzburger Dirndl? Als regionale Tracht kennt das beliebte Kleidungsstück fast so viele Varianten, wie es im Bundesland Salzburg Orte gibt. Was ist authentisch, was moderner Klamauk? Ein Annäherungsversuch.


Text: Veronika Zangl, Foto: Wimmer schneidert


Egal ob zum Stadtbummel, zur Schulabschlussfeier oder Hochzeit. Immer häufiger taucht Tracht abseits von Kirtag, Maibaumaufstellen und Bauernmärkten auf. Stefan Wimmer von Wimmer schneidert sieht den Grund dafür in der vermehrten Identifikation mit der Heimat. „Bei uns in Salzburg wird einem das aber auch sehr einfach gemacht, weil das Salzburger Dirndl so unkompliziert zu tragen ist“, schwärmt Wimmer. „Man kann es beispielsweise mit Accessoires aus der Mode kombinieren oder sich eines in angesagten Farbtönen aussuchen“. Das sei nicht überall der Fall, so der Trachtenexperte, dessen Familie seit 1741 eine eigene Schneiderei betreibt. „In Teilen Deutschlands sind Trachten sehr streng reglementiert und die Jungen entsprechend zurückhaltend. Schließlich widersprechen strenge Kleidungsregeln dem Selbstverständnis moderner Menschen.“


Tracht und Mode

Trachten gibt es seit langer Zeit. Bereits um 1400 ist in der Limburger Chronik von „tracht“ zu lesen, die die Träger unterschiedlichen Ständen zuordnete. Ob Adel, Bauer oder Bettelmann war bereits am textilen Überwurf zu erkennen. Die Neuzeit setzte diese Regel außer Kraft. Ausgehend vom französischen Hof etabliert sich der Begriff der Mode. Man kleidete sich „à la mode“, nach gegenständlicher Art. Ab dem 19. Jahrhundert unterschied Kleidung nicht mehr zwischen sozialen Schichten, sondern zwischen Stadt und Land – oder eben Mode und dem redefinierten Terminus der Tracht. Man könnte also sagen: Ab sofort findet der Wandel in der Mode statt, die Tracht bleibt die Konstante. Doch so einfach ist die Trennung nicht – schließlich färbt die Mode auch auf alle regionalen Trachten ab.


Jedem Dirndl ihr Dirndl

Strenggenommen kann es DAS Salzburger Dirndl gar nicht geben. Das Bundesland Salzburg besteht aus fünf Gauen, die wiederum ihrerseits in sehr viele unterschiedliche Dörfer und Städte mit noch mehr Dirndl-Ausprägungen zerfallen. So unterscheiden sich beispielsweise das Henndorfer-Dirndl vom Halleiner und das Saalfeldener von dem in St. Michael. Trachtenexperten kommen so auf ungefähr 80 verschiedene Varianten des Salzburger Dirndls. Eine stattliche Anzahl, findet auch Stefan Wimmer. Welche Tracht wird laut Fachmann jetzt aber tatsächlich am häufigsten mit dem Salzburger Dirndl assoziiert? „Der Salzburger Schnitt“, ist Wimmer überzeugt und erklärt, „das ist der typisch schlichte Miederschnitt, den man in vielen Farben verwenden kann und hauptsächlich mit Baumwollrock trägt.“


Der Salzburger Schnitt

Tatsächlich gibt es für den Salzburger Schnitt vier Formen, aus denen sich auch fast alle anderen Varianten ableiten lassen. Der Leib im Dirndlschnitt hat die Abnäher am Vorderteil, versetzte Schulternähte und Teilungsnähte am Rückenteil. Beim Leib mit gezogenem Brustteil ist die Schnittführung ähnlich, nur dass das gezogene Brustteil die Abnäher ersetzt. Das Modell Leib im Miederschnitt hat fast nie Teilungsnähte, aber eingesetzte Brustzwickel am Vorderteil, während für das Leib im Empireschnitt oft mit hochgezogener Taille gearbeitet wird. Die Rocklänge des Salzburger Dirndls variiert je nach modischen Präferenzen von bodenlang bis mini, während die Schürze in der Regel links vorne (ledig) oder rechts vorne (verheiratet) gebunden wird. Wobei, ganz so streng ist es dann doch nicht – auch Rückenbindung ist möglich. Die Dirndlblusen selbst werden meistens nach der jeweiligen Tracht ausgewählt, also passend zum Ausschnitt; egal ob Puffärmel, Schiebearm oder Langarm, in Seide, Baumwolle oder Leinen.


Am Puls der Zeit

„Salzburger Dirndl sind schlichter als Modelle wie beispielsweise das Münchner Dirndl“, weiß Stefan Wimmer. „Das ist ein großer Vorteil, weil die Salzburger Variante eben nicht auf eine bestimmte Farbe und einen Anlass reduziert wird.“ Im Gegenteil, beim typischen Salzburger Schnitt fließt der Zeitgeist mit ein. „Momentan sind Rot, Grün, Blau, Türkis oder auch Gelb sehr angesagt und können problemlos eingearbeitet werden“, erklärt Stefan Wimmer. „Wir haben eine riesige Auswahl an Farben und Stoffen, aus denen man sich sein Traum-Dirndl zusammenstellen kann.“ Das geht sogar relativ zügig, die Wartezeit beträgt ungefähr 4-6 Wochen. Danach hält die Kundin ein Unikat in Händen, das es in dieser Variante tatsächlich nur einmal gibt und seine Trägerin Jahre begleiten wird.


Nachhaltige Mode

Damit das Salzburger Dirndl lange Freude bereitet, ist nicht nur auf die Qualität der Materialien zu achten. „Bei uns hat der Rock meistens dieselbe Farbe“, sagt Stefan Wimmer und fügt hinzu, „das macht es im Umkehrschluss einfacher, das Dirndl mit unterschiedlichen Schürzen zu jedem Anlass zu kombinieren.“ Es gibt aber auch Tricks, um die weiblichen Vorzüge der Trägerinnen besonders vorteilhaft zu betonen. „Rock und Oberteil in der gleichen Farbgebung strecken“, weiß Stefan Wimmer. „Wir schneiden den Rock auch oft in Bahnen, um die Taille zu entlasten. Frauen wirken dadurch schlanker.“ Es ist die ausführliche Beratung, die den seriösen Schneider vom Discounter unterscheidet. „Wir gehen wirklich auf den Anlass und den Typen ein“, erklärt Stefan Wimmer. „Da wird nach Maß angefertigt, was dann auch tatsächlich zur Trägerin passt.“ Schließlich stehen einer Brünetten andere Farbtöne als einer Rothaarigen oder Blonden – in einem sind sich aber alle Typen einig: Ein Salzburger Dirndl gehört in jeden Salzburger Kleiderschrank.




Dieser Artikel erschien zuerst in Top of Salzburg, ein Magazin des UCM Verlag.

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