„Es gibt keine Alternative zur Internationalisierung“

Roberta und Erica Antonelli, zwei Schwestern, die aus der Wäscheproduktion ihres Vaters eine international angesehene Marke im Premiumsegment machten, arbeiten seit 2017 mit Unterstützung der dritten Generation, Ericas Sohn Marco Berni. Das Trio im Gespräch mit style in progress.

2001 gab es bei Gossip, der Mutterfirma von Antonelli, die Übergabe an die zweite Generation, 2017 der Eintritt der dritten: Wie glückt die Übergabe von einer Generation zur nächsten?

Marco Berni: Es braucht eine gemeinsame Vision, gemeinsame Werte und ein klares Konzept auf das sich alle verständigen. Zudem haben wir alle feste Kompetenzen im Unternehmen. Meine Tante Roberta kümmert sich um alles Finanzielle und Administrative, meine Mutter Erica um Design und Produktion und ich um Marketing, Vertrieb und Kommunikation. Alle strategisch wichtigen Entscheidungen treffen wir immer zu dritt.

Ist mit dem Eintritt der neuen Generation auch die Internationalisierung Antonellis einhergegangen?

Roberta Antonelli: Eigentlich ist es schlicht eine Nachfrage, die wir bedienen. Wir haben unsere Marke 2013 ganz klassisch auf nationalem Niveau gestartet, schnell sind Agenten und Kunden aus den Exportmärkten auf uns zugekommen.

Marco Berni: Heute sind wir – auch mit unserer zweiten Marke, der Strickkollektion Tortona 21 – in der glücklichen Lage, dass wir es uns beinahe aussuchen können, mit wem wir arbeiten. Aber wir vergessen nie, warum das so ist: Weil unser Produkt von Anfang an hochwertig ist und diese Qualität made in Italy überzeugt. Außerdem bieten wir unseren Kunden wichtige Serviceleistungen wie Nachlieferung innerhalb von 24 Stunden.

Roberta Antonelli: Wir liefern pünktlich, Sie sind aus Deutschland, Sie wissen, wie wichtig das den deutschen Kunden ist! (lacht)

Wie kam es zum Launch von Tortona 21?

Erica Antonelli: Kunden haben uns immer wieder gesagt, dass sie nach einer hochwertigen Strickkollektion suchen würden. Und plötzlich ergab sich, dass einer unserer Zulieferer zum Verkauf stand. Wir haben quasi den laufenden Betrieb übernehmen können, das gesamte Know-how, alle Angestellten. Das war für uns, die wir aus der Konfektion kommen, sehr wichtig. Schließlich braucht es im Strickbereich Spezialisten.

Roberta Antonelli: Den Strick in die bestehende Marke zu integrieren, wäre falsch gewesen: Der Kunde hat ein Budget für Antonelli und er hat ein Budget für einen Stricker. Mit einer zweiten Marken kannibalisieren wir also unseren Antonelli-Umsatz nicht, sondern gewinnen noch einen Budgetposten dazu.

Marco Berni: Die allermeisten Kunden kennen uns bereits, wir sprechen den gleichen Kunden mit Antonelli und Tortona 21 an – und weil wir bei Antonelli schon so zuverlässig arbeiten, ist es vergleichsweise einfach, mit einer zweiten Marke gelistet zu werden.

Beide Marken haben ein sehr elaboriertes Image, die Bildsprache ist hochwertig, das Markenbild stringent. Darin haben Sie von Anfang an viel investiert.

Marco Berni: Ja, es ist sehr wichtig, dass das Bild der Marke stimmt. Wir machen alles mit Bedacht und setzen uns intensiv mit den Dingen auseinander – ob das nun Marketing oder neue Märkte sind. Es ist wichtig, zu verstehen, wie die einzelnen Exportländer funktionieren und was es braucht, um unsere Marke voranzubringen. Gerade war ich in Korea, höchst spannend, wir haben dort gerade den dritten Corner eröffnet. Besonders international gibt es noch großes Potenzial für uns und wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst. Ein Beispiel: Mit Cristian Cappozzo haben wir einen international erfahrenen Verkaufsdirektor eingestellt, der hervorragend Deutsch spricht – ein klares Signal, wie wichtig der D-A-CH-Markt ist.

In Design, Verkauf und Marketing findet man heutzutage in Italien hervorragend ausgebildete Leute. Aber wie sieht es denn in den Fabriken aus?

Roberta Antonelli: Das ist tatsächlich ein Problem. In keinem der Betriebe, mit denen wir arbeiten, sehe ich junge Leute nachkommen.

Erica Antonelli: Die jungen Leute wollen alle Designer werden, keiner will mehr an der Nähmaschine sitzen.

Roberta Antonelli: Aber gerade die brauchen wir. Modelle machen, zuschneiden, nähen – das sind heute drei Berufe. Früher gab es die Schneiderin, die all das konnte. Sie gab ihr Wissen an ihre Tochter weiter, die wieder alles konnte. Genau diese Schneiderinnen fehlen uns, die umfassend wissen, wie es geht.

Wenn eine Marke sich so wie ihre zum Erfolg aufschwingt, was sind dann die größten Gefahren?

Marco Berni: In Italien? Dass man kopiert wird. Statt dass wir nach außen schauen und zuzusehen, zu großen, global konkurrenzfähigen Unternehmen zu reifen, verstricken wir uns in nationalen Grabenkämpfen. Wenn du gut bist, musst du in diesem Land immer damit rechnen, dass jemand dasselbe zu einem niedrigeren Preispunkt anbietet.

Antonelli

1950 von Luciano Antonelli in Castelfiorentino bei Florenz gegründet, entwickelten die Schwestern Roberta und Erica Antonelli aus dem Wäscheproduzenten 2001 zunächst eine Blusenkollektion. 2013 lancierten sie die Marke Antonelli, die mit dem Claim von Frauen für Frauen auf hochwertige DOB made in Italy setzt. Seit 2008 ist mit Marco Berni die dritte Generation im Unternehmen, 2017 wurde er zum CEO ernannt. Rund 500 Kunden im In- und Ausland führen Antonelli, dazu kommen rund 200 von Tortona 21, der kürzlich lancierten Strickkollektion. Einfach zu merken: In Mailands Via Tortona 21 haben die beiden Linien auch ihren Showroom, ein Monolabelstore in Mailand soll demnächst folgen.

www.antonellifirenze.com

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von style in progress zuerst erschienen.

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