„Was machen zwei besser als einer, Herr Fracassi und Herr Carreras?“

Der Italiener Alain Fracassi und der Spanier Albert Carreras kennen einander schon aus Kindertagen. Dass ein Textildesigner und der Sohn eines Star-Trenors auch modisch auf einer Wellenlänge schwimmen würden, war abzusehen: Denn der Hang zum Außergewöhnlichen verbindet. Herausgekommen ist doppiaA, eine Kollektion, die dem Luxus und der Eleganz des Weltenbürgers gerecht wird. Unter den Argusaugen von Alain Fracassi in Italiens besten Produktionsstätten hergestellt, während der Jurist Albert Carreras die unternehmerischen Zügel in der Hand hält.

Ihr Name impliziert es: doppiAA, zwei mal das A ihrer beiden Vornamen. Was macht zwei besser als einen?

Albert Carreras: doppiaA ist eine Marke mit zwei Seelen und jeder von uns kümmert sich um seinen Bereich. Alain um Stil und Image, ich mich um den finanziellen Part. Die Marke erzählt die Geschichte einer Freundschaft, von zwei Menschen, die in ihren Gefühlen und Werten im Gleichklang sind. Wir telefonieren jeden Tag mehrmals, sehen uns spätestens alle drei Wochen in Italien, diskutieren über alles und lieben genau diesen Austausch zu allen Entscheidungen, die wir treffen.

Ihre Marke adressiert einen gesättigten Markt: Es gibt alles und in jeder Variante, was also ist die spezielle Nische, die Sie für sich entdeckt haben?

Alain Fracassi: Das stimmt, es gibt eine Menge Marken in der Männermode. Unserer Meinung nach aber gab es nichts so komplettes wie doppiaA. Wir haben den Anspruch, ganz unterschiedlichen Männer für viele verschiedene Anlässe die perfekte Garderobe zu bieten. Von den Freunden meiner Brüder, die in ihren Zwanzigern sind, bis zu unseren Eltern in ihren Siebzigern, denen immer noch wichtig ist, was sie tragen.

Albert Carreras: Trends sind dabei Nebensache. Es geht um einen zeitlosen Stil, Klassik, aber auch bewusste Brüche. Das alles wird aber erst möglich, wenn die einzelnen Kleidungsstücke absolut sind.

Was macht den Zauber des Gutangezogenseins aus?

Alain Fracassi: Guter Geschmack.

Hat man Stil oder kann man ihn lernen?

Alain Fracassi: Manche Menschen haben wie wir das Glück, in Familien hineingeboren zu sein, denen Stil sehr wichtig ist. Wir hatten die Möglichkeit, von unseren Vätern und Großvätern zu lernen, welche Aufmerksamkeit Stil und Qualität zukommt.

Albert Carreras: Stil kann man auch lernen, davon bin ich überzeugt. Indem man beobachtet, die Leute, die einen umgeben, Filme schaut, Magazine liest, ja sogar in der Literatur findet man Inspiration. Und natürlich bei guten Händlern.

Männer sollten mehr…

Alain Fracassi und Albert Carreras: (unisono) … Accessoires tragen!

Muss ein gut angezogener Mann eine große Garderobe haben? Was sind die Säulen, auf denen Sie empfehlen, den Schrankinhalt aufzubauen?

Alain Fracassi: Es braucht keine vollen Schränke, um gut angezogen zu sein. Ein toller Mantel, ein paar hervorragend geschnittene Sakkos und Hosen. Und natürlich gute Schuhe.

Albert Carreras: Ich glaube, es ist ein Missverständnis, dass mehr mehr ist – auch wenn wir ermutigen wollen, auch mal spielerisch zu sein: Ein Seidenschal, ein Foulard, der kleine Luxus im Alltag.

Ist die italienische Produktion bei einer luxuriösen und detailverliebten Kollektion wie doppiaA eigentlich zwingend?

Alain Fracassi: Ja, die könnte man nirgendwo anders machen. Denn nicht nur für die satoriale Fertigung findet man hier Cluster, Regionen, die eine unglaubliche Kompetenz ausgebildet haben. Das gibt es auch für Hemden oder Strick. Die Produzenten dort verstehen sich als echte Partner, mit denen man Ideen austauscht und an Lösungen tüftelt, um ein einzigartiges Produkt zu schaffen, das echte Begehrlichkeit auslöst.

Albert Carreras: Ich bin immer wieder begeistert von dem, was Alain und diese Menschen in den Manufakturen schaffen. Als Jurist und Zahlenmensch habe ich ja einen anderen Fokus – doch dieses Herzblut berührt mich. Was in diesen Produktionsstätten passiert, ist pure Magie, der ich versuche, den wirtschaftlich richtigen Rahmen zu geben.

Alain Fracassi: Das Schöne ist: Männer honorieren diese Qualität, sie wollen sich wohl fühlen und korrekt angezogen sein – was ein gutes Produkt schafft. Dazu muss es nicht zwingend ein bekanntes Markenlogo tragen.

Sprechen wir über Ihre Ziele: Ist doppiaA das Hobby zweier Enthusiasten oder steht im Businessplan dieses Fashion-Start-ups ein ambitionierter Wachstumsplan?

Albert Carreras: Ich habe viele Jahre für Chopard gearbeitet, ebenfalls ein Familienunternehmen. Alles, was ich über Marketing und Markenführung weiß, habe von dieser großartigen Familie gelernt. Auch in der Stiftung meines Vaters habe ich eine aktive Rolle – das zweite Element meiner beruflichen Vita, das mich gelehrt hat, demütig zu sein. Was wir nun mit doppiaA realisieren, braucht natürlich solide wirtschaftliche Wurzeln – aber wir kennen auch die Grenzen, die einem hochwertigen, qualitätsvollen Produkt ganz natürlich innewohnen. Gerade weil es besonders ist, kann es nicht an jeder Straßenecke verkauft werden. Ein Massengeschäft würde unsere Werte konterkarieren.

Dieses Interview erschien zuerst in Braun EDITION Vol. 1 des UCM Verlag.

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