„Wir sind eine Manufaktur, keine Kriegsmaschine“


Geschmack, Kreativität und Handwerklichkeit – mit diesen Werten hat sich Xacus mit Herrenhemden weltweit einen Namen gemacht. Warum es den Söhnen des Gründers jetzt auch Blusen und Sneakers angetan haben, erklärt Paolo Xoccato im Interview mit style in progress.


60 Jahre Erfolg mit Herrenhemden – da könnte man sich ja auch zurücklehnen und genießen. Warum also der Launch der Damenkollektion und der Kauf des Sneakerlabels Andrea Zori?

Wir haben uns gefragt: Wäre es jetzt natürlicher, wenn wir Herrenhosen oder Strick anbieten oder aber eine Damenkollektion? Da war die Antwort schnell klar: Wir sind Spezialisten und wollen immer Spezialisten bleiben, daher die Damenkollektion. Bei Andrea Zori, den Sneakers und Lederaccessoires war es anders: Wir kannten den ursprünglichen Eigentümer, auch ein Familienbetrieb hier aus dem Veneto, sehr gut, und als sie uns das Unternehmen anboten, haben wir zugeschlagen, weil wir in allen fundamentalen Werten übereinstimmten und wussten, dass wir mit diesem handwerklichen und komplett in Italien gefertigten Produkt die gleiche Zielgruppe der Händler ansprechen würden.

Was bei der Damenkollektion ja gewiss anders ist…

Ja, absolut, der Damenmarkt hat eine eigene Dynamik und Logik. Wir sind glücklich, dass sich hier so schnell Erfolge realisieren lassen. In den allermeisten Fällen haben wir sowohl in Italien als auch im Ausland eigene, spezialisierte Agenturen ausgewählt und rasch einen Platz in sehr guten Geschäften gefunden. Gerade in den deutschsprachigen Ländern ging das verglichen mit der Aufbauarbeit, die man bei Herrenhemden leisten muss, einfach, weil die Damenbluse ein Fixstarter im Sortiment ist. In Italien ist das nicht so, da picken sich die Einkäufer mal hier, mal da ein paar Blusen heraus – und manchmal auch gar nicht. Aber zum Glück verlangt der Trend gerade sehr nach modischen Blusen, das spielt uns sehr in die Hände.

Bereiten Sie damit auch schon den Boden für die Zukunft?

Wir nützen die Gunst der Stunde: Viele Mitbewerber haben in den letzten Jahren gelitten, wir sind gewachsen, sowohl mit unserem angestammten Herrenbusiness als auch mit den Damen und Andrea Zori. Warum? Weil Service immer schon eine unserer Stärken war und wir kontinuierlich investiert haben – in alle Bereiche des Unternehmens. Ein professionelles Nachbestellservice, unkomplizierte Retouren und die hohe Servicebereitschaft haben uns in einem schrumpfenden Markt Anteile gewinnen lassen. Auf die steigende Fragmentierung des Marktes sind wir schon aus historischen Gründen perfekt vorbereitet gewesen: Weil wir nie große Produktionsstraßen betrieben haben, können wir kleine Lots produzieren und damit kreativ viel mehr in die Tiefe gehen. Außergewöhnliche Stoffe, besondere Waschungen, modische Varianten – das ist unser Unterscheidungsmerkmal, weil wir eben eine Manufaktur sind und keine dieser Kriegsmaschinen, die mit ihren Standardhemden Flächenbewirtschaftungskaiser sind. Zukünftig möchten wir diese Flexibilität nicht nur dem Wholesale-Kunden bieten, sondern auch den Endkonsumenten erleben lassen. Mit my Concept können Endkunden bei unseren Händlern und bald auch online ihr eigenes Hemd gestalten. Eine schöne Art für uns, direkter mit den Kunden in Verbindung zu treten. Ich glaube, dass sich der Konsument stark verändert. Eine neue Generation von Kunden will sehr viel genauer wissen, was sie trägt und der Gedanke des Individuellen ist hoch im Kurs.

Familienunternehmen und die Mode, das ist ja fast ein Naturgesetz in Italien. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Ja, wir haben einen unwahrscheinlich hohen Anteil an Familienunternehmen in der Mode. Ich kenne keine Zahlen, aber ich würde über 90 Prozent schätzen. Ich habe lange überlegt, woran das liegen kann, denn in anderen Sektoren der italienischen Wirtschaft ist es nicht so. Ich glaube diese Passion für Qualität und Schönheit, für Kreativität und Handwerk, die muss genährt werden. Als Unternehmerkind atmet man diesen Geist von Geburt an. Für mich war das die tägliche Realität und so konnte diese Hingabe reifen. Ob die nächste Generation übernimmt, hängt von zwei Dingen ab: dem Willen und dem Können. Unsere Türen für die nächste Generation sind offen, aber in diesen beiden Faktoren müssen sie sich beweisen – genau wie es jeder andere tun müsste. Klar ist, dass die Zukunft herausfordernd sein wird, sich alles schnell verändert und daher investieren wir schon seit geraumer Zeit in allen Bereichen in junge Teams und frische Ideen – nur so können wir auf der Höhe der Zeit bleiben, was als Modemarke ja unsere Daseinsberechtigung ist. Der ganze Betrieb muss von Modernität geprägt sein.

Xacus

Xoccato Alberto Camice di Uomo San Vito di Leguzzano – oder kurz Xacus. 1956 vom namensgebenden Alberto gegründet, sind heute dessen Söhne Giorgio als Präsident und Paolo als CEO für das Unternehmen verantwortlich. Nach über 60 Jahren mit der Kernkompetenz Herrenhemden hat sich Xacus 2014 entschlossen, eine Damenlinie zu präsentieren. Xacus produziert ausschließlich in eigenen Fabriken in Europa. Die Marke garantiert ein NOS-Service für mehr als 300 Artikel. Xacus ist auch Eigentümer der Schuh- und Accessoiremarke Andrea Zori.

www.xacus.com

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von style in progress zuerst erschienen.

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