Es braucht Idealismus


Corinna und Kurt Petter haben Phil Petter 1973 gegründet, seit 1999 ist Tochter Anja Grabherr-Petter mit im Unternehmen. Gemeinsam haben sie für ihre Strickkollektion früh auf Werte gesetzt, die heute USP sind: Spezialistentum und Made in Austria.

Wäre Phil Petter ein Orchester, die Pauke wäre arbeitslos. Gründer Kurt Petter ist ein Meister der leisen Töne, auch seine Frau Corinna hat die große Bühne nie gesucht. Quirliger schon die Tochter Anja Grabherr-Petter, aber auch sie hat verinnerlicht, dass des Dirigenten Bravour von der Bestleistung aller abhängt. Diesem Selbstverständnis folgt so vieles in der Firma und die Fokussiertheit spiegelt sich auch in strategischen Fragen wieder: „In den frühen 2000er-Jahren, als alle ihre Produktionen verlagert und ihre Kollektionen vergrößert haben, haben wir zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Wir wollten unbedingt die Produktion in Österreich halten und Spezialisten bleiben“, erzählt Anja Grabherr-Petter. Damit nahm die Familie eine Entwicklung vorweg. Heute ist es genau dieser Schatz, der die Marke von ihren Mitbewerbern unterscheidet.


Dass man diese Werte auch im Marketing nützen müsse, hat Anja Grabherr-Petter früh gesehen: „Das war ein wichtiger Schritt in der Außenkommunikation, dass heute auf jedem Etikett ‚Made in Austria‘ steht, dass wir Vertretern und Kunden viele Details erklären. Das ist mir sehr wichtig. Wir haben so viele Geschichten zu erzählen: Ganz oft machen wir in der Produktion etwas ein bisschen anders und ein bisschen aufwändiger – und genau diese Kleinigkeiten machen dann in der Qualität den Unterschied. Ich bemühe mich sehr, diese Detailarbeit transparent zu machen.“

Gelebtes Spezialistentum

In Vorarlberg, ehemals Österreichs Dorado der Textilindustrie, eine Produktion wie die von Phil Petter aufrecht zu erhalten, ist eine Lebensaufgabe. „Unsere Branche braucht generell viel Idealismus, das könnte der Grund sein, warum es so viele Familienunternehmen gibt. Weil manche Entscheidungen einfach nur mit Herzblut zu begründen sind – im Konzern würden sie sicher anders fallen. Als Familie ist man langfristig orientiert und nimmt auch mal in Kauf, auf Gewinne zu verzichten, um ein Investment zu tätigen.“

Anja Grabherr-Petter selbst erwog nie Alternativen zum Einstieg in die elterliche Firma. „Ich habe mich schon immer gerne mit schönen Dingen beschäftigt, da war Phil Petter ideal“, resümiert sie. 2009, zehn Jahre nach dem Einstrieg, ist sie zur Geschäftsführerin und Anteilseignerin geworden. Die Zeit bis dahin hat sie genützt, um die Firma von der Pike auf kennen zu lernen und alle Abteilungen zu durchlaufen. „Ich habe nie die Juniorchefin gespielt, sondern immer mit angepackt.“ Wenn sie jetzt zum Vertretermeeting ruft und ihre Mutter Corinna währenddessen mit den Enkeltöchtern im Betrieb Puppen aus Wollresten bastelt, fühlt sich Anja Grabherr-Petter an Momente ihrer eigenen Kindheit erinnert. Das Aufwachsen mit und im Betrieb war bei zwei so engagierten Eltern selbstverständlich. „Ich glaube, dass es gleichermaßen für Kunden wie für die Mitarbeiter ein starkes Signal ist, wenn die nächste Generation im Unternehmen ist. Weil man dann sicher sein kann, dass es weitergeht.“ Wohlweislich: Jetzt spricht sie erst mal von sich selbst. Die Kleinen haben erst mal noch viel Zeit – und dann jede Freiheit.

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von style in progress zuerst erschienen.

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