„Ich brauche einen emotionalen Bezug“


Wie kommt ein Anwalt zu mittlerweile vier Modegeschäften? Aus Leidenschaft: Vor fast zehn Jahren hat Wilfrid Wetzl Casa Moda gekauft und auf drei Standorte ausgebaut. Seit Herbst 2016 ist er zudem Besitzer des von Stephan Lanzer geführten Traditionsgeschäftes Knilli in Graz.

Bald jährt sich Wilfrid Wetzls Quereinstieg in die Modebranche zum zehnten Mal: 2008 kaufte er Gertrud Schmidtmayer ihre Casa Moda in Steyr ab – in der Familie hatte es keine Nachfolge gegeben. „Ich war jahrelang Kunde und habe sie als Anwalt begleitet und ihr gesagt, sie solle sich bei mir melden, wenn sie verkaufen wolle.“ Aus purer Leidenschaft an der Mode und seinem Sinn für Ästhetik habe er damals das Investment getätigt. „Ich hatte für mein Engagement in der Mode nie einen Masterplan. Ich packe die Gelegenheiten beim Schopf, wenn sie kommen.“


Nach der Pleite von Don Gil nutzte Wetzl die Gunst der Stunde, Casa Moda auf drei Standorte zu vergrößern. „An einem Standort habe ich nur das Ladenlokal, am anderen nur die Mannschaft übernommen.“ Und jetzt Knilli in Graz: „Stephan Lanzer und ich haben schon seit geraumer Zeit Kooperationsgespräche geführt, wirtschaftlich war diese Idee der Zusammenarbeit aber nicht darstellbar. Also kam es jetzt zu dieser sehr freundlichen Übernahme, die ich auch nur unter der Bedingung gemacht habe, dass Stephan Lanzer Knilli mit all seiner Kompetenz weiter erhalten bleibt.“ Das Geschäft wurde einem Facelift unterzogen und mit etlichen First Lines im Sortiment im April wiedereröffnet. „Der Laden ist immer schon ein wunderschöner Ort gewesen, diese Großzügigkeit mit der Raumhöhe von sechs Metern. Das haben wir jetzt noch heller, hochwertiger und freundlicher gestaltet. So etwas mache ich mit aller Leidenschaft. Und ich bin überzeugt, dass es angesichts der Veränderungen im Handel immer wichtiger wird, den Kunden ein beeindruckendes Erlebnis beim Einkauf zu bieten. Das ist unsere einzige Chance! Viele Entwicklungen im Handel sehe ich sehr kritisch – ob die Onlinekonkurrenz, die Leerstände in den Städten, die Monobrandstores oder die hausgemachten Probleme wie Warendruck und dadurch frühe Reduzierung – die Situation hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert.“

Hausaufgaben machen

Ob Mode trotzdem ein gutes Investment ist? „Ich bin froh, dass ich nicht ausschließlich davon leben muss, sonst würde ich einen Fiat Punto als Firmenwagen fahren“, lacht der Anwalt. Mit strengem Zahlenmanagement und vor allem gutem Personal aber freue er sich, seiner Leidenschaft für Mode Ausdruck zu verleihen. „Ohne meine Filialleiter, die ihre Standorte in größter Selbstständigkeit führen, wäre das allerdings nicht möglich. Ich selbst habe ja andere beruflichen Verpflichtungen.“ Um bei Tom Ford oder Valentino die Order zu schreiben, macht er sich davon aber auch gerne einmal frei. „Einfach weil ich es mag und diese Marken mich faszinieren und interessieren.“

Vom Modeanwalt aus Steyr haben in der Zwischenzeit viele gehört. „Jede Woche landen Angebote zum Kauf von Geschäften auf meinem Tisch, wo Nachfolger oder entsprechendes Kapital fehlen. Um mich aber mit einem Angebot eingehend zu befassen, muss es einen emotionalen Bezug geben – so wie bei Casa Moda oder Knilli, wo ich als Student meine ersten Anzüge gekauft habe. So eine Institution fortzuführen, ist ein schönes Gefühl.“ Was wäre die nächste Gelegenheit, die er beim Schopfe packen würde? „Touristische Standorte, ohne Tourismus ist ein Modegeschäft meines Erachtens nicht zukunftsfähig.“

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von style in progress zuerst erschienen.

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